Totti sieht Rot

Francesco Totti ist beim AS Rom als gebürtiger Römer und langjähriger Kapitän eine Legende. Der geneigte Fussballbeobachter weiß aber auch schon seit Jahren: Der Francesco dreht ab und an mal ganz gerne durch. Spucken, Schlagen, Treten – alle Randaliermöglichkeiten, die es so auf dem Rasen gibt, packt Totti immer wieder in schöner Regelmäßigkeit aus. Trotzdem hatte ich nun schon eine ganze Weile von ihm nichts mehr gehört, gestern beim italienischen Pokalfinale saß er zunächst nur auf der Bank. In der zweiten Halbzeit kam er dann ins Spiel, und siehe da, Totti war wieder ganz der Alte und flog kurz vor Anpfiff gepflegt vom Platz. Aus aktuellem Anlass also, sind hier die Highlights aus Tottis Eskalationsgala:

Zunächst einmal der Klassiker, durch den Totti auch hierzulande als Rumpelstilzchen bekannt wurde: Carsten Ramelow, ganz der fleißige Arbeiter, grätscht Totti den Ball weg. Totti, ganz der divenhafte Francesco, muss ob der Grätsche durch einen Sprung ausweichen und lässt den Frust darüber am Oberkörper Ramelows aus:

Bleiben wir beim Sprichwort „Einen am Boden liegenden Gegner tritt man“: Was in der ersten Perspektive wie ein alltägliches Schubsen an der Grundlinie aussieht, wird bei der Wiederholung als körperliche Misshandlung entlarvt: Erst zu Boden stoßen, dann ein Tritt in die Weichteile, gefolgt von einem zweiten Tritt zwischen die Beine, abschließend ein versuchtes Auf-das-Bein-Treten. Schön aber auch, wie das Opfer erst schaut, wo der Schiedsrichter sich befindet, und dann zu einem Schmerzschauspiel erster Klasse ansetzt. Totti bekommt Gelb und kanns nicht glauben (Das Einbetten ist bei diesem Video deaktivert, hier ist es zu sehen).

Wer Totti den Ellbogen verpasst, der braucht sich über die Gegenattacke nicht zu wundern. Selber schuld. In diesem Fall dauert es sogar einen Moment, da sich Totti für eine Sekunde überlegt, einen Kieferbruch zu simulieren und den Platzverweis zu erzwingen. Aber, das Temperament: Totti schlägt selber zu und fliegt vom Platz. Den Abflug macht dann auch ein Roma-Betreuer, der den Kapitän beruhigen will und stattdessen von diesem unsanft zu Boden gestoßen wird. Wer versucht aber auch, einen Totti zu beruhigen? Selber schuld!

Kurze Zwischenepisode: Totti und die Dänen.
Beim 0-0 im Gruppenspiel zwischen Italien und Dänemark scheinen die Dänen Totti schwer genervt zu haben. Christian Poulsen, selber immer für eine kleine Nickligkeit gut, bekam es daher mit Tottis Speichel zu tun: kurzer Rotzer beim Vorbeilaufen, mitten ins Gesicht. Kein Grund für Poulsen, irgendwelchen Aufstand zu machen, geschweige denn, die enge Manndeckung des Gegenspielers aufzugeben:

Gleiches Spiel, anderes Opfer. Nachdem das Ausspucken ungestraft blieb, muss sich Totti gedacht haben: Hier geht heute was! Tob ich mich mal aus. Da er Gerüchten zufolge ein Bewunderer des Roy Keane sein soll, stellte er einfach mal dessen berühmt-berüchtigtes Foul an Alf-Inge Haaland nach. Besonders schön, wie Totti nach jeder Aktion, die nichts anderes als eine Rote Karte verdient hätte, sich noch eifrig über die Gelbe echauffiert:

Totti ist ein Künstler. Und ein Künstler macht die Dinge auf dem Platz eben schöner als der ganze Rest. Hacke statt Innenseite, Faust statt Handschlag, und beim Elfmeter: Lupfer statt irgendwas anderes. Und wenn das mal schiefgeht, dann hat ein Künstler auch das Recht, einen Torwart, der ihm das Kunstwerk versaut hat, zur Seite zu stoßen. Basta.

Totti braucht den Ball, Alex Manninger gibt den Ball nicht raus. Logische Folge: Faustschläge. Bam, Schlag 1: Ball steckt fest. Bam, Ball immernoch bei Manninger. Nochmal Bam, Ball endlich frei. Und weils so lange gedauert hat, braucht sich Manninger über ein weiteres Bam in die Bauchgegend auch nicht zu beschweren:

Gestern war es also mal wieder so weit. Pokalfinale im Olympiastadion in Rom, Inter ist überlegen und führt wenige Minuten vor Ende mit 1-0. Totti hat eine kurze Diskussion mit Mario Balotelli von Inter, auch kein Kind von Traurigkeit, das oft und gerne provoziert. Einige Aktionen später ist dann wieder Psycho-Totti in Urform zu bewundern: er verfolgt den ballführenden Balotelli über mehrere Meter, bis er den perfekten Moment für seinen Anschlag gekommen sieht, und holzt ihm dann mit voller Wucht von hinten in die Wade. Hübsche Details: wie Totti schon vorher die Tätlichkeit versuchen will, aber nicht ganz hinterherkommt, wie De Rossi (in der Wiederholung zu sehen) sich voller Resignierung mit beiden Händen an den Kopf greift, und wie Totti sich nach der Attacke zu seinem Opfer runterbeugt und ihm ein paar Wörter herunterwirft. Ein „Gute Besserung, mein Lieber“ wird es nicht gewesen sein:

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2 Kommentare zu “Totti sieht Rot

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