Wundertor des Tages

Fussball im Fernsehen täuscht ja ab und an ganz gerne. Fussball ist ein einfaches Spiel, also kommt einem oft das, was die Profikicker da im Fernsehkasten abliefern, garnicht so unmenschlich vor. Pass in den Lauf bekommen, Ball am Torwart vorbei, Tor! Stürmer lauert im Strafraum, Ball kommt von außen, rollt am Torwart vorbei, Stürmer hat nur noch leeres Tor vor sich, drin! Sieht ja garnicht so schwer aus.
Und so kommt es dann auf der heimischen Couch oftmals zu Selbstüber- und Fremdunterschätzung:

Pah! Also den hätt ich aber auch noch gemacht! – Griff in die Chipstüte.
Boahh, wie kann man denn einen Elfer verschießen? Einen Elfer! Hab am Sonntag aufm Bolzplatz gegen Manni sieben hintereinander verwandelt! – Kratzen an einer unappetitlichen Stelle.
Wenn ich damals in der C-Jugend nicht das Saufen und die Weiber entdeckt hätte, könnte ich jetzt hinter den Spitzen spielen und nicht die Pfeife da… – Schluck aus der Bierpulle.

Ungemein hohes Tempo, um Welten bessere Gegenspieler, ganz andere Drucksituationen? Alles geschenkt. Sieht doch einfach aus.
Deshalb aufgepasst, alle Couchkritiker: Legt die Chips hin, das Bier ebenso, hört auf euch zu kratzen, und zieht euch mit mir zusammen dieses fussballhistorische Schmuckstück rein.
Denn das hier, das schafft nicht jeder:

Man will es sich sofort nochmal anschauen, am liebsten hundertmal, man will das Gesehene in Einzelteile zerlegen und versuchen zu erklären: Wie hat er das gemacht? Doch es gelingt nicht. Der Bewegungsablauf bei der ersten Ballberührung, dem Fundament dieses Kunstwerks, sieht unnatürlich aus, man denkt er bewegt sich mit dem ganzen Körper nach rechts, und plötzlich dreht er sich in die andere Richtung, je öfter man sich das Tor anschaut, umso unbegreiflicher wird es.
Dieses Tor bzw. die Entstehung ist, jedes andere Wort scheidet aus, perfekt. Mit einer einzigen Ballberührung symbolisiert Bergkamp alle Fähigkeiten, die ein Weltklassefussballer braucht: Instinkt und Antizipation, eine überragende Technik, Cleverness und Abgezocktheit.

Manchmal tut es eben doch ganz gut, sich daran zu erinnern, warum die Profis sich dort im Fernseher austoben dürfen und uns nur die Zuschauerrolle bzw. der Bolzplatz am Wochenende bleibt.

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Ein Kommentar zu “Wundertor des Tages

  1. Seltsam: Exakt dieses Tor sah ich vor ein paar Minuten auf Youtube. Zuerst dachte ich, das sei unbeabsichtigt gewesen, Ball versprungen, ein Zufall. Ab dem zweiten Anschauen begann ich zu staunen …

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