Leserbrief

Liebe „11 Freunde“,

ich find euer Magazin ja ziemlich cool.

Als ich dann das neue Exemplar während dem Pendeln im Zug dann so aufschlug und sah, dass in der Rubrik „Auswärtsspiele“ das Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahce behandelt wird, fand ich das also: auch sehr cool.

Was mich dann in der Rubrik erwartete, war nicht mehr ganz so cool. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob diese Beiträge von Autoren oder Lesern verfasst werden (tendiere zu letzterem), doch das Ganze ist mir zu dürftig und lustlos. War der Verfasser wirklich vor Ort?

Mal ganz davon abgesehen, dass das Spiel bzw. das Drumherum in ein paar schmucklosen Sätzen abgerattert wird, ist von einem „Faustkampf“ zwischen den Nationalspielern Emre und Arda die Rede, „an dem bald alle Spieler beider Seiten teilnahmen“. Klingt ziemlich aufregend. War es auch! Doch die von diesen Sätzen suggerierte Schlacht zwischen wildgewordenen Fussballgladiatoren war eigentlich eher ein kurzes Techtelmechtel zwischen Arda und einem Spieler, der nicht Emre war, und anschließender schneller Eskalation und Schlichtung, an der alle Spieler beider Seiten teilnahmen, auch der vermeintliche Faustkämpfer Emre.

So, dann geht es ja weiter. Denn der Erzählung nach „brach Streithahn Emre“ dem Gala-Spieler Milan Baros „mit einer brutalen Grätsche den Mittelfuß“, für die es nicht einmal Gelb gegeben habe.

Um Gottes Willen! Bei diesen Worten sieht man vor dem inneren Auge einen Emre B. kurz vor Anpfiff an der Mittellinie, der mit Schaum vor dem Mund in Lauerstellung steht und es nicht abwarten kann, möglichst schnell einen der gehassten Feinde zur Strecke zu bringen. Und einen Baros, der vor lauter Angst Richtung eigenes Tor flüchtet, dann aber doch vom wilden Galakiller erlegt wird.

Ich meine, kommt schon Leute. Der Beitrag zu einem Spiel in der dritten spanischen Liga ist dreimal so lang wie dieser Bericht, der eher an einen Tagebucheintrag eines verstörten Kulturforschers über seinen Aufenthalt bei einem Buschstamm in Afrika erinnert.

Das das nicht so das Wahre ist, habt ihr wohl selber gemerkt. Deshalb wird das Spiel wahrscheinlich an anderer Stelle noch einmal erwähnt, nämlich bei den „Spielen des Monats“. Was wie Entschädigung klingt, schießt erst Recht den Vogel ab. Zu lesen ist nämlich:

„Galatasaray Istanbul – Fenerbahce Istanbul
Das Istanbuler Stadtduell ist kein Zuckerschlecken. Für beide Mannschaften geht es um den Titel.“

Nein! Ein Staduell, in dem es um den Titel geht und das kein Zuckerschlecken ist. So könnte genauso der VFL Obereisesheim das Ortsduell gegen den portugiesischen Verein im gleichen Ort auf der Homepage anpreisen.

Ich mach euch einen Vorschlag: zum nächsten Derby in Istanbul drückt ihr mir Flugtickets in die Hand, Stadiontickets ebenso, stellt mir einen guten Fotografen an die Seite, und wir kommen mit einer mehrseitigen Reportage zurück, die sich gewaschen hat.

Denn zu berichten und erzählen gibt es da genug Interessantes. Mehr als nur von Faustkämpfen zwischen Streithähnen.
Vielleicht seh ich das aber auch zu eng. Ist ja auch nicht böse gemeint. Den Artikel über Fussballfotografie fand ich überragend! Also wieder Freunde.

Mit freundlichen Grüßen

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3 Kommentare zu “Leserbrief

  1. „So, dann geht es ja weiter. Denn der Erzählung nach “brach Streithahn Emre” dem Gala-Spieler Milan Baros “mit einer brutalen Grätsche den Mittelfuß”, für die es nicht einmal Geld gegeben habe“

    Ich hoffe, dass es sich um einen Tippfehler deinerseits handelt und nicht der 11Freunde. Ich hoffe es heißt Gelb und nicht Geld.

    Ich lese einmal im Jahr das Heft und bin dann immer enttäuscht. Vielleicht kriege ich immer das Falsche in die Hand.

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