Jubel…?

Kleiner, kurzer Abstecher nach Youtube. Heute ein etwas verwirrendes Schmuckstück. Folgendes:

Der Linke, nicht identifizierbar, sicher aber spanischer Nationalspieler: springt auf.
Fabregas: hält es ebenfalls nicht auf dem Stuhl, klatscht danach freudig Casillas ab.
Der: nimmt das Freude-Abklatschen gelassen an.

Alle drei, scheinbar: sehr erfreut über das 1-0 der Türkei im Halbfinale der EM 2008 gegen Deutschland.

Da stellt sich natürlich die Frage: Warum freuten sich drei im Finale stehende spanische Nationalspieler mit der Türkei und gegen Deutschland?

Die von den im Video zu hörenden, türkischen Kommentatoren vorgeschlagene These wird wohl zutreffen:

„Gegen die Deutschen möchte keiner spielen. Niemand. Wir reden hier von Deutschland.“

100 Dinge, die ein Fussballer in seinem Leben getan haben sollte, Teil 1

Ok, bei dieser hier startenden Serie sind Zweifel angebracht.
Zunächst einmal hört sich die Überschrift doch etwas Möchtegernexperte/Ratgeberbuchautormäßig an, und einen triftigen Grund dafür, dass ausgerechnet ich 100 solche Dinge benennen sollte, kann ich leider auch nicht nennen. Außerdem ist es fraglich, ob ich überhaupt auf 100 tolle Dinge, die ein Fussballer/ fussballbegeisterter Mensch in seinem Leben getan haben sollte, kommen werde. 100 ist nämlich ganz schön viel.
Bedenken überall, doch: Was solls! Man ist nur einmal jung. Mir gefällt die Idee. Und für Teil 1 hab ich schonmal was Tolles. Also los.

Ich steh ja auf Ramba-Zamba. Immer wenn es was zu feiern, bejubeln, anfeuern gibt, bin ich dabei. Während der Euro 08 zum Beispiel ging ich mit einem russischen Kumpel zum Public Viewing des Spiels Russland-Holland und dachte mir nichts Böses dabei, zwei Stunden später sprang ich mit einer russischen Fahne in einer Hand und einer Wodka-Pulle in der anderen in der Stadtmitte herum und feierte Russlands Sieg, als gäbs kein Morgen. Nastrovje!

Und Ramba-Zamba und Fussball prallen wohl nirgends derart aufeinander wie in „La Bombonera“, dem Stadion des argentinischen Traditionsclubs Boca Juniors.

Als türkischer Fussballfan bin ich ja schon einiges in Sachen Fussballfanatik gewöhnt, doch selbst das während den Istanbul-Derbies herrschende Chaos sieht gegen die im folgenden Video dokumentierte Atmosphäre kein Land:

Als ich das Video zum ersten Mal sah, hatte ich nur einen Gedanken: Da will ich hin! Man kann anhand dieses kleinen Auschnittes schon erfühlen, wie unfassbar gewaltig die Stimmung in diesem Stadion sein muss. Die Gesänge, die Feuerwehrkskörper, die Lautstärke..Das ist die Definition von „Stimmung“ im fussballerischen Sinn.

Ich will hin. Ich muss hin. Irgendwann, Bombonera.

Was macht eigentlich…Straßenfussball?

Es war ein Parkplatz.

Ein alter Parkplatz mitten in der Ortschaft, mit einem kleinem Makel: irgendwie parkte nie jemand drauf.
Für mich und meine Kumpels war dieser Makel damals im Grundschulalter aber ein Segen, denn aus dem unbenutzten Parkplatz wurde mit der Zeit unser alltäglicher Fussballplatz.
Jeden Tag war also das Gleiche angesagt: raus aus der Schule, rauf aufs Fahrrad, rein in die Bolzarena.

Wir kickten jeden Tag, wir kickten wie verrückt, wir kickten in allen Variationen: Weltmeister (Einer geht ins Tor, der Rest spielt im KO-System Jeder-gegen-Jeden), Bundesliga (nichts anderes als „Weltmeister“ in Zweier-Teams), Ball-aus-der-Luft.
Jeder war immer irgendjemand. „Ich bin Ronaldo!“. „Ich bin Scholl!“. „Wir zwei sind Brasilien.“

Damals dachte ich: Nicht viel. Ich hatte einfach Spaß am Kicken, tat das aus diesem Grund so oft es ging, und der einfachste Weg, es zu tun, war eben mittags auf der Straße. Mit den Kumpels. Kicken war Kicken, nicht mehr.
Heute denke ich: Wir, die fussballspielenden Kinder in den Straßen einer kleinen, deutschen Ortschaft stellten den Fussball in seiner unbekümmertsten und ursprünglichsten Natur dar. Spielen aus Spaß an der Freude, Spielen für den Moment, keine Taktik, keine Trainer, keine Hintergrundgedanken, nur der Ball, nur der Asphalt und wir.
Es klingt zwar so dermaßen verschleimt und klischeehaft, dass ich mich fast schon sträube es zu schreiben, doch es ist so: die Liebe zum Fussball war unser einziger Antrieb.

Und jetzt? Jetzt höre ich mich mit meinen 23 Lenzen beim Thema Straßenfussball an wie ein alter Mann, der im Schaukelstuhl wippend über die schöne, alte Zeit referiert.

Sieht irgendjemand noch irgendwo in den Straßen Fussball spielende Kinder? Was ist passiert?