Ronaldinho: geliebt, verschmäht, beobachtet

Wenn es ums Schlussmachen mit meinen Fussballhelden geht, bin ich eher der resolute Typ.

Denilson war anno 1998 mein Liebling bei der WM, hat aber unsere Beziehung mit seinem extremen Weltengebummle kaputt gemacht. Mein Lieblingsspieler kann nicht bei Hai Phong spielen, sorry.
Rivaldo schoss ich 2002 in den Wind. So eine Schmierentheateraktion lass ich mir schließlich nicht bieten.
Mit Ronaldinho war dann im Sommer 2008 Schluss. Zum Ende seiner anfangs fabelhaften Zeit beim FC Barcelona wurden die Tricks und die Tore immer weniger, die Kilos und Eskapaden dafür mehr, und Ronaldinho wurde nach Mailand abgeschoben. Das wars dann wohl, dachte ich. Machs gut, Ronnie.
Die Wahl des nächsten Helden wäre dann wohl auf Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi gefallen, wäre ich nicht langsam dem Alter der naiven-Fussballer-Anhimmlerei entwachsen.

Die erste Saison beim AC Mailand hat mich in meinem Abservieren des Ex-Zaubereres ziemlich bestätigt. Soweit ich das durch die Internetzusammenfassungsschnipsel der Spiele verfolgen konnte, ging da nicht mehr viel. Und dick sah er auch immernoch aus. Als dann noch Gerüchte über eine Rückkehr nach Brasilien aufkamen, schien die Karriere des Ronaldinho so gut wie gelaufen.

Dieses Jahr machte er aber in den Schnipsel auf youtube.com und Konsorten einen doch spielfreudigen und ziemlich comebackigen Eindruck. Zum jetzigen Zeitpunkt hat er insgesamt schon neun Tore erzielt und Vorlagen gegeben, während es letztes Jahr in der ganzen Saison deren 8 und 6 waren.

Und dann das Spiel am Wochenende gegen den AC Siena. Man schaue sich die folgende dreieinhalbminütige Zusammenfassung des Spiels an, ein einziges Ronaldinho-Festival. Tore, Sololäufe, herausgespielte Torchancen, Ronaldinho überall, spielfreudig wie eh und je. Die dreieinhalb Minuten erwecken den Eindruck, als habe er an diesem Abend all das nachholen wollen, was er in den letzten zweieinhalb Jahren nicht zeigen konnte bzw. gezeigt hat.

Eine Galaleistung gegen Siena bedeutet natürlich nicht, dass Ronaldinho auf seinem alten Barcelona-Weltfussballer-Level angekommen ist, eine steigende Tendenz und die Annäherung an die Leistung vergangener Tage sind aber durchaus erkennbar.

Und das ist doch schonmal sehr erfreulich. Auch wenn wir jetzt schon länger getrennt sind.

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