Schäm dich, Mesut!

Mesut Özil ist ein junger, erfolgreicher Fussballspieler, der momentan in Diensten des SV Werder Bremen steht und dessen Zukunft offen ist. Gerüchten zufolge ist ein Wechsel zu einem größeren Verein nach der Saison durchaus möglich. In den letzten Spielen war Werder nicht gerade erfolgreich und auch Özil konnte nicht wie gewohnt aufspielen und macht eine schwächere Phase durch. Wegen dem ganzen Wechseltheater hat er sich inzwischen einen Maulkorb hinsichtlich seiner Vertragssituation verpasst.

So, das ist die etwas trocken dargestellte Ausgangssituation, die niemanden überraschen da den meisten bekannt sein dürfte.

Auch Spiegel Online beschäftigte sich heute in einem Artikel mit der aktuellen Situation Özils und mutmaßte über einen Zusammenhang zwischen der Verhandlungs- und der Formkrise beider Seiten.

Und wie das so bei Spiegel Online ist, konnte man im Forum der Seite über den Artikel und die darin geschilderte Situation diskutieren. Was folgte, waren mehrere Musterbeispiele für Ignoranz, Vorurteilsdenken und schnelles in beliebige-Schublade-schieben.

Hier eine Auswahl der durch die dort diskutierenden User vertretenen Thesen:

Özil habe eine große Klappe und noch viel größere Hände, um höhere Gehälter zu kassieren.
Wenn er Charakter haben würde, würde er seinen Vertrag verlängern.
Bremen lerne jetzt seinen Charakter erst kennen.
Divahaft sei er!
„Söldner“ fällt auch, keine große Überraschung.

Das Highlight ist aber die Meinung des Users „john mcclane“, nämlich:

Özil ist ein Spieler von der Sorte, die sich nach fünf guten Spielen schon wieder umgucken wo es noch besser ist, wo mehr Geld gezahlt wird etc. pp. Vom Wesen her genau wie Ribery. Zu seiner Entlastung kann man anführen, das er vielleicht nicht der hellste ist und von seinem Berater verrückt gemacht wird. Machts aber auch nicht besser.

Mit Riesenprofit ins Ausland verkaufen, und fertig…

Auch nicht schlecht. Da hält sich ein überaus talentierter, junger Spieler die Möglichkeit eines Transfers zu einem Spitzenclub offen (denn nichts anderes tut Özil zurzeit) und schon ist man bei einigen Fussballbeobachtern das wandelnde Böse auf zwei Fussballerbeinen, die es schleunigst anzupissen gilt.

Wenigsten das mit der Diva kann ich noch etwas nachvollziehen. Hab da nämlich mal eine Sport-Bild-Reportage mit Özil gesehen, auf deren Bildern er stolz seine riesengroße Schuhauswahl zur Schau stellte. Tze. Rotzbengel. Verkaufen!

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Das-kennt-jeder-Sache des Tages

Achtung, jetzt kommt Nostalgie. Und das nicht zu knapp.

Als Jugendfussballer waren wir alle gleich. Unser am Seitenrand stehend-schreiender Vater war uns peinlich und machte uns nervös, die Trikotsätze waren älter als die Spieler und veranschaulichten die Farbtrends des vergangenen Jahrzehnts, der Sohn des überengagierten Trainers war der Käpt’n.

Wenn ein ehemaliger Jugendfussballer bei diesen Schilderungen nur den Kopf schütteln kann, wird ihm spätestens das folgende Ritual bekannt vorkommen:
Unmittelbar vor dem Spiel herrscht noch heilloses Durcheinander und Geschrei in der Kabine, dann geht die Tür auf. Ein rüstiger Rentnerschiri in über den Bauch gezogenen kurzen Hosen und Erima-Schuhen aus den Achtzigern tritt in die Kabine, führt die Passkontrolle durch und sagt dann kurz vor dem Rausgehen:

„Schienbeinschoner habt ihr alle an?“

Zum Beweis klopft sich die ganze Truppe auf den Bereich zwischen Fuß und Knie, als gäbs kein Morgen.

Der Schiri nickt zufrieden und läuft hinaus. Es kann losgehen.

Hach, wie war das schön.

Frustbewältigung 2.0

„Hast du das Tor von Cristiano gestern gesehen?“
„Nee. Wie denn auch?“
„Hammer Ding, sag ich dir.“
„Wo hast dus gesehen? Hast du jetzt Sky?“
„Sky? Nee. Auf Fuhdytiub.“
Entgeistertes Anstarren.

Wir Fussballfanatiker sind das ärmste Volk. Wenn es um die Wurst in Form von Punkten und Toren geht, sind wir in aller Regel schön außen vor, Pay-TV regiert die Fussballwelt. Nun gibt es zwar die Möglichkeit, Spiele per Livestream im Internet zu verfolgen, diese Alternative steigert aber oftmals das Ärgernis nur, denn bei einem ruckelndem, verpixeltem Etwas in Handy-Displaygröße hält sich der Spaß und das Mitfiebern doch in Grenzen.

Wer sich nun wenigstens in Form von Zusammenfassungen auf dem Laufenden halten will, dem sei footytube.com ans Herz gelegt. Es handelt sich hierbei, wie der Name schon vermuten lässt, um eine Art Fussballversion des allseits bekannten youtube, in der laufend die aktuellsten Spielzusammenfassungen aus dem www gefischt und präsentiert werden. Das Tolle daran: nicht nur alle Spiele aus den europäischen Topligen werden angeboten, sondern auch eher exotischere Ligen und Zusammenfassungen.
So sehe ich im Moment bei einem Blick auf die Titelseite ein bunt gemischtes Angebot aus 2. Bundesliga, türkischem Pokal, dem Afrika-Cup und sogar der israelischen Liga.

Also, liebe Leidensgenossen: Lesezeichen setzen! Es lohnt sich.
In einem Artikel ist von einem unglaublichen Traumtor in der Begegnung Sevilla-Atletico Madrid die Rede? Footytube.
In einem Forum (voller neureicher Sky-Besitzer) wird über eine extremst-spannend-sehenswerte Begegnung diskutiert? Footytube.
Gerade nichts zu tun? Footytube.

Das Ding ist gut. Das Ding lohnt. Findet inzwischen mein Kumpel von da oben auch.

Ronaldinho: geliebt, verschmäht, beobachtet

Wenn es ums Schlussmachen mit meinen Fussballhelden geht, bin ich eher der resolute Typ.

Denilson war anno 1998 mein Liebling bei der WM, hat aber unsere Beziehung mit seinem extremen Weltengebummle kaputt gemacht. Mein Lieblingsspieler kann nicht bei Hai Phong spielen, sorry.
Rivaldo schoss ich 2002 in den Wind. So eine Schmierentheateraktion lass ich mir schließlich nicht bieten.
Mit Ronaldinho war dann im Sommer 2008 Schluss. Zum Ende seiner anfangs fabelhaften Zeit beim FC Barcelona wurden die Tricks und die Tore immer weniger, die Kilos und Eskapaden dafür mehr, und Ronaldinho wurde nach Mailand abgeschoben. Das wars dann wohl, dachte ich. Machs gut, Ronnie.
Die Wahl des nächsten Helden wäre dann wohl auf Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi gefallen, wäre ich nicht langsam dem Alter der naiven-Fussballer-Anhimmlerei entwachsen.

Die erste Saison beim AC Mailand hat mich in meinem Abservieren des Ex-Zaubereres ziemlich bestätigt. Soweit ich das durch die Internetzusammenfassungsschnipsel der Spiele verfolgen konnte, ging da nicht mehr viel. Und dick sah er auch immernoch aus. Als dann noch Gerüchte über eine Rückkehr nach Brasilien aufkamen, schien die Karriere des Ronaldinho so gut wie gelaufen.

Dieses Jahr machte er aber in den Schnipsel auf youtube.com und Konsorten einen doch spielfreudigen und ziemlich comebackigen Eindruck. Zum jetzigen Zeitpunkt hat er insgesamt schon neun Tore erzielt und Vorlagen gegeben, während es letztes Jahr in der ganzen Saison deren 8 und 6 waren.

Und dann das Spiel am Wochenende gegen den AC Siena. Man schaue sich die folgende dreieinhalbminütige Zusammenfassung des Spiels an, ein einziges Ronaldinho-Festival. Tore, Sololäufe, herausgespielte Torchancen, Ronaldinho überall, spielfreudig wie eh und je. Die dreieinhalb Minuten erwecken den Eindruck, als habe er an diesem Abend all das nachholen wollen, was er in den letzten zweieinhalb Jahren nicht zeigen konnte bzw. gezeigt hat.

Eine Galaleistung gegen Siena bedeutet natürlich nicht, dass Ronaldinho auf seinem alten Barcelona-Weltfussballer-Level angekommen ist, eine steigende Tendenz und die Annäherung an die Leistung vergangener Tage sind aber durchaus erkennbar.

Und das ist doch schonmal sehr erfreulich. Auch wenn wir jetzt schon länger getrennt sind.

Eintagsfliege des Tages

Ich muss zuallerst gleich gestehen, zu diesem Thema kann ich eigentlich nicht wirklich viele Informationen liefern.
Gründe dafür sind, dass ich a) beim Eintreten der behandelten Eintagsfliege noch unbekümmert in die Grundschule ging und b) auf Teufel-komm-raus im großen, weiten Internet fast keine Quellen bzw. Bilder dazu finde. Also machen wir es jetzt einfach mal so, dass dieser Beitrag aus persönlichen, vagen Erinnerungen pur zusammengebaut wird.

Keiner wusste warum, keiner wusste woher, doch auf einmal war es da, irgendwann Mitte der neunziger Jahre: das Nasenpflaster.
Vor allem bei der Euro 96 in England häufig gesehen, munkelte man dass es das Atemvolumen steigere und so zu einer höheren Leistungsfähigkeit führe. Wer das Ding trug? Bin ich mir leider nicht ganz sicher.
Verdammt, um ehrlich zu sein krieg ich sogar nur einen Spieler hin, an den ich mich nasenpflastertragend erinnern kann: Pierluigi Casiraghi. Der spielte bei der Euro 96 für Italien und schmückte seinen Kolben mit eben einem solchen Objekt und ist seltsamerweise derjenige, der in meinen Erinnerungen an die Nasenpflaster-Ära haften geblieben ist.

Doch Casiraghi entpuppt sich im Nachhinein bei näherem Hinsehen als ideale Möglichkeit, das Dilemma und das zum Scheitern-verurteilt-sein des Nasenpflasters zu erkennen. Denn wenn man das Bild des bepflasterten Casiraghi so betrachtet, wird einem eine gewisse Ironie nicht verborgen bleiben. Ein Baum von einem Mann mit entschlossenem Die-hauen-wir-heute-weg-Blick, der ein dünnes Pflästerchen auf der Nase trägt, als sei er daheim gegen die Wand gelaufen und gleich von der Mama liebevoll versorgt worden.

Doch das war mir damals alles egal, besser gesagt nicht bewusst. Fussballprofis waren Götter, die an meiner Wand hingen und was die taten, konnte nicht so verkehrt sein. Also war klar, dass irgendwann der Gang zur Apotheke folgen musste. Wie? Sie haben nur noch welche mit bunten Enten drauf? Egal, her damit. Drauf damit. Ab zum Bolzplatz.

Es klappte auf einer Seite immer wieder hoch, es störte, es sorgte für Gelächter, es war schrecklich. Heute weiß ich auch noch, dass es nicht einmal meine Leistungsfähigkeit erhöhte. Die deutsche Sporthochschule Köln hat nämlich inzwischen herausgefunden, dass die Dinger eben doch keinen Einfluss auf das Atemvolumen haben.

Na besten Dank auch, Casiraghi.

Up & Down

So wurde Darius Vassell im Sommer in der Türkei bei Ankaragücü empfangen:

So beschrieb er seine Situation im Dezember in seinem ziemlich beeindruckenden Blog:

Ich kann nicht schlafen, ich denke nur über meine vielen Probleme hier und deren Lösung nach..
Ich liege im Bett und das Geräusch der Klimaanlage klingt wie der Motorraum eines Zuges voller gestressten Gedanken.

Lass ich jetzt einfach mal so stehen.

Spieler-Spezies: Der Blöffer

Das Coole am Eigenen-Blog-haben ist ja die Freiheit, das Ding so zu schreiben und gestalten wie man will.

Mir hat es vor allem die Schöpfung seltsam klingender Rubriken angetan. Nach dem bereits angelaufenen Lieblingsding des Tages erblickt hiermit die Spieler-Spezies-Reihe das Licht der Blogwelt, weitere werden folgen. Irgendwas muss man sich ja einfallen lassen, um als Neuling in der unendlichen Menge von Fussballblogs nicht unterzugehen. Spieler-Spezies also. Dann mal los.

Blöffer? Fussball? Was zum Teu…Langsam.
Blöffer heißt nichts anderes als Angeber, Wichtigtuer, Lügner, Blender, Schauspieler, Möchtegern. Alles in einem sozusagen. Zur Erinnerung, hier schreibt ein Türke um die 20, der in einer deutschen Vorstadt aufgewachsen ist, das bisschen Gossensprache muss also erlaubt sein. Und bei uns in den düsteren, verlassenen Vorstadtstraßen heißt sojemand eben Blöffer. Weiterlesen